FLIEGEN MIT FREMDEM FEDERN
Eine Kiste voller Schätze: erlesene Gedichte und erhörte Lieder aus aller Welt,
von Wolf Biermann ins Deutsche gebracht.
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Hoffmann und Campe
2011
ISBN:978-3-455-40344-2
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Dein freches Lächeln küsse ich so gern
Die schönsten Liebesgedichte von Wolf Biermann
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Hoffmann und Campe
2010
ISBN: 978-3-455-40288-9
Hoffmann und Campe
ISBN: 978-3-455-97375-4
Seiten: 240, gebunden
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Berlin, du deutsche deutsche Frau
Eine Auswahl der schönsten Berlin Gedichte: Kein Dichter der Nachkriegszeit hat die Stadt Berlin so liebevoll besungen und so rabiat bedichtet wie Wolf Biermann.
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Hoffmann und Campe
2008
ISBN: 978-3-455-40125-7
Seiten: 120, gebunden
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HEIMAT. NEUE GEDICHTE
Große Lyrik, die melancholisch und kämpferisch ist, böse und zart und immer vital.
" Ich suche Ruhe und finde Streit". Heimat.
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Hoffmann und Campe
2006
ISBN: 978-3-455-40036-6
Seiten: 272, gebunden
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Das ist die feinste Liebeskunst
40 Shakespeare-Sonette.
Biermanns Sonettübersetzungen: authentisch und autark.
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Weitere Bücher:
Elf Entwürfe des jungen Bob Dylan für seinen Grabspruch
2003, kiepenheuer & witsch
Über Deutschland unter Deutschen
Essays 2002, kiepenheuer & witsch
Die AusbÜrgerung
2001, Ullstein
Liebespaare in Politischer Landschaft.
2000, Gedichte und Lieder, Reclam
Paradies uff Erden – ein Berliner Bilderbogen
1999, kiepenheuer & witsch
Wie man Verse macht und Lieder - eine Poetik in acht Gängen
1997, kiepenheuer & witsch
Alle Gedichte
1995, kiepenheuer & witsch
GroSSer Gesang des Jizchak Katzenelson vom ausgerotteten jüdischen Volk
1994, kiepenheuer & witsch
Der Sturz des DÄdalus
Essays 1992, kiepenheuer & witsch
Alle Lieder
1991, kiepenheuer & witsch
Über das Geld und andere Herzensdinge
Essays 1991, kiepenheuer & witsch
Klartexte im Getümmel
1989, kiepenheuer & witsch
Affenfels und Barrikade
1986, kiepenheuer & witsch
und als ich von Deutschland nach
Deutschland ...
1983, Bertelsmann
Verdrehte Welt, das seh ich gerne
1982, kiepenheuer & witsch
Das Märchen von dem Mädchen mit dem Holzbein
1979, kiepenheuer & witsch
Der preuSSische Ikarus
1978, kiepenheuer & witsch
NachlaSS 1
1977, kiepenheuer & witsch
Die groSSe Drachentöterschau: Der Dra-Dra
1974, Wagenbach
Das MÄrchen vom kleinen Herrn Moritz
1972, Parabel-Verlag, München
Berichte des Julij Daniel aus dem sozialistischen Lager
1972, Hoffmann und Campe
Für meine Genossen
1972, Wagenbach
Deutschland, ein Wintermärchen
1972, Wagenbach
Mit Marx-und Engelszungen
1968, Wagenbach
Die Drahtharfe
1965, Wagenbach
Das neue Biermann-Buch ist eine Kiste voller Schätze aus vielen Ländern: erlesene Gedichte und erhörte Lieder, die der Poet im Laufe eines bewegten Lebens in sein lebendiges Deutsch brachte.
Als „staatlich anerkannter Staatsfeind“ saß Biermann viele Jahre fest in Ostberlin wie die meisten DDR-Bürger. Aber für ihn waren zudem die Ostgrenzen so dicht wie die Westgrenze. Auch das provozierte seinen herderschen Heißhunger nach den „Stimmen der Völker in Liedern“.
Es waren berühmte und unberühmte Besucher, die ihrem total verbotenen Freund Lieder und Gedichte aus aller Welt in der Chausseestraße 131 vor die deutsch-deutsche Nase hielten und sagten: mach mal! Und also machte er sich schwedische sångerna von Nils Ferlin auf Deutsch singbar, auch französische, tschechische, alte russische Zigeuner-Lieder, neue lateinamerikanische, uralte englische, baltische, jiddische und hebräische.
Das kuriose norddeutsche Wort „Sammelsurium“ hat wieder seinen guten ursprünglichen Sinn, denn Biermann bündelt in diesem Buch eine Sammlung von buntgemischten Zufallsfunden. Er entdeckte sie bei Bulat Okudshawa, Daniel Viglietti, Patricio Manns, Wladimir Wyssozki, Jiří Suchý. Freunde wie Eva-Maria Hagen, Lew Kopelew, Joan Baez und Franz Hohler und Allen Ginsberg steckten ihm Lieder zu, lauter freundschaftliche Auftragsarbeiten ohne Honorar.
Der Sohn des russischen Dichters Julij Daniel schmuggelte die erschütternden Gedichte seines Vaters direkt aus dem GULag nach Moskau, und so kamen sie konspirativ in Biermanns Hände und dann als deutsche Gedichte 1972 beim Verlag Hoffmann & Campe in Hamburg ins Offene: „Berichte aus dem Sozialistischen Lager“.
Nach der Ausbürgerung 1976 fand der Liederdichter bei seinen Konzerten in vielen Ländern neuen poetischen Stoff. Atahualpa Yupanqui, Dionysos Savopoulos, Sven Bertil Taube, Yves Montand, Pedro Soler, Paco Ibáñes - deren Gastgeschenke füllten die Schatzkiste des Sammlers: Neueres und Altes. Hohe Poesie, zauberhafte Kinderlieder und plebejische Folklore. Das Beste in diesem Sammelsurium sind womöglich die authentischen Nachdichtungen der Shakespeare-Sonette. Es finden sich in diesem Buch populäre Chansons von Pierre-Jean de Béranger und Georges Brassens neben kleinen feinen Volksliedern aus Finnland oder Estland oder Israel.
Eines aber fehlt, Biermanns wichtigste Nachdichtung passte dem Verlag nicht zwischen diese beiden Buchdeckel: Jizchak Katzenelson - „Großer Gesang vom ausgerotteten Jüdischen Volk“. Dieses Poem über die Shoa braucht und hat ja auch eine eigene und komplett kommentierte Buchausgabe.
Weltbekannte Titel wie „Les feuilles mortes“ von Jacques Prévert und Joseph Kosma sind in „Fliegen mit fremden Federn“ ohne Musiknoten abgedruckt, denn die kann man sich leicht googeln. Aber für jedes der weniger bekannten „Menschen-Lieder“ hat Biermann die Melodie und die Grundharmonien notiert. Und er schrieb bei dieser Gelegenheit auch allerhand Fußnoten, die für manchen Leser von Interesse sein können.
»Wir naschen Dill, und du hältst still, wenn ich dich zärtlich kämme ...«. Sie ist erotisch und zuweilen melancholisch, allerinnigst und schön frech: die Liebespoesie von Wolf Biermann. Andreas Öhler hat die schönsten Gedichte und Lieder der letzten Jahrzehnte zusammengestellt. Seine Auswahl führt mitten ins Herz von Biermanns poetischem Schaffen.
Die grüne Schwemme
von Wolf Biermann
Jetzt wird mir leicht
Das Dunkel weicht
aus unsrer warmen Scheune
Der Regen geht
Der Wind verweht
die schwarzen Regenträume
Ich sing in Moll
Mein Herz ist voll
von Spatzen und von Tauben
Der Tag wird schön
Du wirst schon sehn
und meine Lieder glauben
Komm, fass mich an
Wir gehen dann
in eine grüne Schwemme
Wir naschen Dill
Und du hältst still
wenn ich dich zärtlich kämme
Jizchak Katzenelson
Dos lid vunem ojsgehargetn jidischn volk
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Großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk
Wolf Biermann
Zwei Jahre lang lebte ich mit dem Dichter Katzenelson, will sagen: mit seinem opus magnum. Kurz bevor Jizchak Katzenelson in Auschwitz ermordet wurde, schrieb er sein Poem nieder: "Dos lid funem oisgehargetn jidischn volk." Das war vor 60 Jahren. Dieses große Gedicht berichtet in fünfzehn Kapiteln vom elenden Sterben der hilflosen Juden im Holocaust und vom heroischen Sterben der jüdischen Kämpfer beim Aufstand im Warschauer Ghetto.
Katzenelson, dieser polnische Jude, schrieb seine Lieder, Gedichte und Theaterstücke nicht in Polnisch, sondern in Hebräisch und auch in der jiddischen Sprache. Er floh mit seiner Familie nach dem Einmarsch der Deutschen von Lodz nach Warschau. Er geriet nach dem Einmarsch der Deutschen mit all den anderen Juden ins Ghetto. Als der Aufstand am 18. April '43 losbrach, lebten von der dreiviertel Million Juden im Warschauer Ghetto noch 60 Tausend. Seine Frau und zwei seiner Söhne waren schon ins Todeslager Treblinka verschleppt worden. Katzenelson gehörte zu den Kämpfern. Er war damals 57 Jahre alt. Alle wußten, daß sie in diesem Aufstand sterben werden. Seine Freunde beschlossen aber, den Dichter zu retten. Sie wollten, daß wenigstens er überlebt. Es sollte ein Mensch übrig bleiben, der der Sprache mächtig ist und Zeugnis ablegt, einer, der die unsagbare Wahrheit über den Untergang des jüdischen Volkes so sagen kann, daß die Welt seinen Worten glaubt, obwohl er die Wahrheit spricht.
Katzenelson wurde also mit seinem ältesten Sohn über geheime Schlupflöcher auf die arische Seite von Warschau geschleust, beide wurden mit südamerikanischen Pässen versorgt. So geriet der Dichter in ein sogenanntes Sonder- oder auch Vorzugs-KZ, das die SS im französischen Kurbad Vittel, am Fuße der Vogesen eingerichtet hatte. Dort waren US-amerikanische und britische Staatsbürger und einige Juden mit gefälschten südamerikanischen Pässen interniert, alles Menschen, die gegen internierte deutsche Staaatsbürger im feindlichen Ausland eingetauscht werden sollten. Ein Jahr lang lebte Katzenelson in diesem großbürgerlichen Luxus-Kurbad im Hotel "Providence" hinter Stacheldraht und schrieb dort in der jiddischer „Mameloschn“ ein langes Gedicht über den Untergang seines Volkes, zu deutsch: "Großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk."
Es ist ein gewaltiges Gemälde, gemalt mir schwarzen Tränen in den schwarzen Himmel. Dieses Epos erzählt vom Ghetto in Lodsch und vom berüchtigten Umschlagplatz im Warschauer Ghetto, wo täglich die Güterzüge nach Treblinka mit lebendigem Menschenfleisch vollgestopft wurden. Katzenelson vollendet sein Gedicht mit einem dramatischen Bericht über das letzte Gefecht im Warschauer Ghetto, in dem es für die Juden - was Wunder! - keine Chance gab. Der Dichter liefert keinen zionistischen Hoffnungsstrahl und kein sozialistisches Morgenrot, er liefert nicht einmal so ein elend trauriges Lichtlein wie die ermutigende Geschichte des Ganoven Schindler, der immerhin ein paar Juden aus dem blutigen Strudel rettete, in dem Millionen untergingen.
Aber dennoch leuchtet ein irres Licht in dieser Finsternis. Warum? Darum: das Elend und der Widerstand sind Wort geworden. Und dieses dicht gedichtete Wort wurde aus all den Weltuntergängen hinübergerettet in unsere Zeit. Jitzchak Katzenelson stopfte die 15 Großen Gesänge in drei Flaschen und vergrub sie unter einem Baum im Park von Vittel. Kurz danach wurde der Dichter mit seinen Freunden nach Drancy verschleppt, dem Bahnhof bei Paris, von wo die französischen Juden nach Auschwitz deportiert wurden. Keiner hat überlebt, aber die Botschaft in den Flaschen wurde gefunden. Und ich habe die Verse in mein Deutsch gebracht und werde sie vortragen.
"Berlin ist meine erste Liebe seit 1955. Und die Stadt wurde meine alte Liebe, weil ich mich immer wieder neu in sie verliebt habe.
Ach! solch eine kapriziöse Dauergeliebte muss der Poet bei mancher Gelegenheit neu besingen, verdichten und im Streit auch zerdichten. Sie will besänftigt werden, gefeiert, betrogen, wieder verführt und womöglich beseligt. Also finden sich in diesem Buch rabiate Liebeslieder, zärtliche Wutballaden und Sehnsuchtsgesänge versammelt, Pasquille in Zeiten der Diktatur, poetische Sittenbilder vom Alltag, politische Gassenhauer und plebejische Elegien."
Für das Buch mit meinen neuen Gedichten habe ich einen ganz und gar nicht originellen Titel gewählt: „Neue Gedichte“, das ist also ein Titel, den auch Heinrich Heine 1844 schon in Gebrauch nahm. So will ich im literarischen Marktgeschrei deutlich machen, daß am alten Baum frische Früchte gewachsen sind, die nun gepflückt werden können.
Etliche meiner neuen Gedichte sind weit weg von Deutschland gewachsen, in Kulturlandschaften, die eine Wiege der europäischen Kultur waren: Das Land der Troubadoure. Wenn wer wie ich sich so weit weg bewegt, dann ja nur, um auf diesem Wege näher nach Deutschland zu kommen. Walter Benjamin. Gottfried Benn. Mollie Biermann. „Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause ... “ sagte Novalis. Neue politische Gedichte schrieb ich, über die gottlose Gläubigkeit eines Atheisten, Verse über Israel, über den Streit um Krieg und Frieden, auch über das Ende des weltweiten Kinderglaubens an den Kommunismus. Und sogenannte Naturlyrik, mein ewiges Lieblingsthema: Liebespaare in großer politischer Landschaft; es gibt neue Verse über den Norden, wo ich nun schon seit genau 30 Jahren als heimgekehrter Hamburger Fischkopf unter Daheimgebliebenen lebe. Dort, wo ich als gebranntes Kind durch das Feuer der Bombennächte in die Welt floh, dort hin, wo auch ich noch niemals war: Heimat."Heimat – Das ist der Tod, da will ich hin //Ankommen aber nie und nimmer.“
"Eine kleine literarische Sensation. Eine kleine?", begeistert sich Die Welt. Und die Welt am Sonntag schwärmt: "Eine Revolution in der Dichtkunst: Das Sonett wird irdisch, sinnlich, sexuell."
Wolf Biermann: "Es geht um heillose egierden, um die vertrackten Genüsse, um reine Freuden und unreine Lüste, um die Leiden und Leidenschaften der Liebe. Shakespeare liefert uns mit seinen Sonetten ein erotisches Sittenbild vom Anfang der Neuzeit".